Meiji-Universität, Tokyo

Seminar für Germanistik

Friedrich Wilhelm Riemer: Goethe. Bleistiftzeichnung, um 1810

Zitate und Anmerkungen

Fußnoten erstellen mit MS-Word

Zur Verwendung von Zitaten

Vermeiden Sie lange Zitate! Schreiben Sie Ihre eigene Arbeit. Mit Zitaten belegen Sie Ihre Behauptungen aus dem Primärtext, oder Sie diskutieren die Sekundärliteratur. Meistens brauchen Sie dafür nur ein paar Worte, selten mehr als einige Zeilen zu zitieren. Wenn Sie für Ihre Arbeit einen längeren Gedankengang aus der Sekundärliteratur brauchen, fassen Sie ihn sinngemäß in indirekter Rede zusammen und weisen in einer Anmerkung auf die Stelle hin: "Vgl. X, S. Y-Z."

Zitate sollten allerdings vor- und nachbereitet werden. Das bedeutet, daß der Zweck eines Zitats aus dem Text davor und/oder danach klar hervorgehen muß: Wollen Sie Ihre eigene Behauptung durch das Zitat stützen? Wollen Sie den Autor widerlegen oder seine Position modifizieren?

Allgemeine Regeln zum Zitieren

Grundsätzlich gilt: Alles, was Sie aus anderen Arbeiten übernehmen, müssen Sie nachweisen. Kurze wörtliche Zitate setzt man in Anführungszeichen: "Zitat". Längere wörtliche Zitate ab etwa 3 Zeilen werden links eingerückt, und der Zeilenabstand wird enger gesetzt. Anführungszeichen sind dann nicht notwendig.

Wenn Sie einen Teil des Zitats auslassen, setzen Sie eckige Klammern. Eckige Klammern werden auch für Einfügungen verwendet. Oft paßt die grammatische Konstruktion des Originaltextes nicht in Ihren Satz. Dann müssen Sie entweder Ihren eigenen Satz ändern, oder im Zitat ein paar Buchstaben einfügen oder auslassen. — Wenn Ihr Zitat schon ein Zitat enthält, setzen Sie dieses Zitat zwischen einfache Anführungsstriche: "Gerät Piachi [...] in eine Josephsposition, so wird 'seine junge treffliche Gemahlin' durch eine Reihe von Andeutungen in eine jungfräuliche Position gerückt [...]."

Die Zitate werden in Fußnoten am Ende der Seite nachgewiesen. Die Fußnoten werden vom Text durch einen Strich getrennt. Anmerkungen am Ende der Arbeit sind auch möglich. Sie beginnen auf einer neuen Seite.

Beim ersten Nachweis wird der Titel vollständig angegeben, danach genügen Autor, Kurztitel und Seitenzahl. Wenn derselbe Text zweimal hintereinander zitiert wird, verweist man mit "ebd." (ebendort) auf die vorige Fußnote. Gegebenenfalls muß die Seitenzahl angegeben werden: "Ebd., S. 102".

Alle Anmerkungen enden mit einem Punkt. Nachweise im Literaturverzeichnis enden ohne Punkt.

Nachweise in den Anmerkungen

Es gibt verschiedene Formen des Zitierens in Anmerkungen. Wichtig ist, daß Sie innerhalb einer Arbeit dieselbe Form beibehalten. Ich schlage vor:

Zitieren von Büchern: Nachname, Vorname: Titel. Untertitel, Ort (Verlag) Jahr. Also zum Beispiel:

  • Koschorke, Albrecht: Die Geschichte des Horizonts. Grenze und Grenzüberschreitung in literarischen Landschaftsbildern. Frankfurt/Main (Suhrkamp) 1990.
  • Böhme, Gernot und Böhme, Hartmut: Feuer, Wasser, Erde, Luft. Eine Kulturgeschichte der Elemente. München (Beck) 1996.
Gegebenenfalls müssen weitere Angaben zum Herausgeber (abgekürzt: Hrsg.) oder zum Reihentitel gemacht werden:
  • Weigel, Sigrid (Hrsg.): Genealogie und Genetik. Schnittstellen zwischen Biologie und Kulturgeschichte. Berlin (Akademie Verlag) 2002.
  • Döblin, Alfred: Berlin Alexanderplatz. Die Geschichte vom Franz Biberkopf. Hrsg. v. Anthony W. Riley. Zürich, Düsseldorf (Walter) 1996.
  • Goethe, Johann Wolfgang: Dramen 1791-1832. Hrsg. v. Dieter Borchmeyer und Peter Huber. Frankfurt/Main (Deutscher Klassiker Verlag) 1993 (=J. W. G.: Sämtliche Werke. Briefe, Tagebücher und Gespräche (Frankfurter Ausgabe), I. Abtlg., Bd. 6).

Zitieren von Aufsätzen aus Zeitschriften: Name, Vorname: Aufsatztitel. Untertitel. In: Name der Zeitschrift Band (Jahr), Seitenangabe.

  • Ishihara, Aeka: "Fernröhre verwirren eigentlich den reinen Menschensinn". Das Teleskop im kulturellen Diskurs vor und bei Goethe. In: Doitsu Bungaku 108 (2002), S. 131-140.

Zitieren von Aufsätzen aus Sammelbänden: Name, Vorname: Aufsatztitel. Untertitel. In: Name, Vorname des Herausgebers (Hrsg.): Titel des Sammelbandes. Untertitel des Sammelbandes. Ort (Verlag), Seitenangabe.

  • Blumenberg, Hans: Anthropologische Annäherung an die Aktualität der Rhetorik. In: Kopperschmidt, Josef (Hrsg.): Rhetorische Anthropologie. Studien zum Homo rhetoricus. München (Fink) 2000, S. 67-87.

Zitieren von Online-Quellen: Name, Vorname: Titel. Untertitel. Institution [wenn angegeben] (Datum [wenn angegeben]). Darin: Kapitel (wenn angegeben). URL: http://... (Stand: Datum [des Zugangs]).

  • Renner-Henke, Ursula: Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten. Einführende Literatur, Materialien und Hinweise. Deutsches Seminar II der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg (10.6.1998). Darin: [D] Zitieren von Titeln in Anmerkungen. URL: http://www.germanistik.uni-freiburg.de/seminare/einf/Einfwa.htm#D (Stand: 6.2.2003).

Beispiel: Eine Arbeit über Kleists Der Findling

... Die Verwandtschaftsbeziehungen in Kleists "Findling" werden kontrovers diskutiert. Frank G. Ryder erklärt die Ähnlichkeit zwischen Nicolo und dem Bild Colinos, indem er annimmt, Nicolo sei "Elvire's son by Colino"1. Sigrid Weigel spricht dagegen vom "Modell einer Heiligen Familie"2 und argumentiert:

Gerät Piachi [...] in eine Josephsposition, so wird "seine junge treffliche Gemahlin" durch eine Reihe von Andeutungen in eine jungfräuliche Position gerückt - nicht allein durch ihre Vorgeschichte [...], sondern auch durch den Hinweis, daß er, wenn er auf Reisen geht, "dann gewöhnlich Elvire , seine junge Frau, unter dem Schutz ihrer Verwandten", zurückzulassen pflegte.3

Die beiden Standpunkte scheinen unvereinbar zu sein, auch wenn man in Rechnung stellt, daß Ryder seine Interpretation durchaus nicht für allein gültig hält, sondern nur behauptet, daß Kleist "had reason to establish the affirmative possibility of the association [mit Ödipus]".4 ...


1 Ryder, Frank G.: Kleist's "Findling": Oedipus Manqué? In: Modern Language Notes 92 (1977), S. 509-524, hier S. 510.

2 Weigel, Sigrid: Der "Findling" als 'gefährliches Supplement'. In: Kleist-Jahrbuch (2001), S. 120-134, hier S. 126.

3 Ebd.

4 Ryder, Kleist's "Findling", S. 519.