Ökonomie um 1800 im Umfeld Goethes

Linksammlung zur Primär- und Sekundärliteratur

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Johann Georg Büsch

Wahrscheinlich bezog Goethe sein ökonomisches Wissen zum guten Teil aus den Schriften Büschs. Am 8. 1. 1784 kaufte er in Weimar seine Abhandlung von dem Geldsumlauf in anhaltender Rücksicht auf die Staatswirtschaft und Handlung. T. 1. 2. Hamburg u. Kiel: C. E. Bohn 1780, am 3. 1. 1785 Kleine Schriften über die Handlung. Hamburg u. Kiel: C. E. Bohn 1784, später kamen hinzu: Über die durch den jezigen Krieg veranlaßte Zerrüttung des Seehandels und deren insbesondere für den deutschen Handel zu befürchtende böse Folgen. Hamburg: B. G. Hoffmann 1793 sowie Uebersicht des gesamten Wasserbaues. Bd 1. 2. Hamburg: B. G. Hoffmann 1796 (Lektüre im April 1797). Vgl. Ruppert, Nr. 2929-2931 und 5355. — Fritz von Stein studierte seit 1793 unter Aufsicht Goethes an Büschs Hamburger Handlungsakademie, die aber nicht mehr die in sie gesetzten Erwartungen erfüllte. Siehe den Brief v. 23. 10. 1793 an v. Stein. Von August 1790 bis April 1791 hatte schon Alexander von Humboldt an der Handlungsakademie studiert (Vgl. die Chronologie).

Johann Georg Büsch: Sämmtliche Schriften. Wien: Bauer 1813-1818. 16 Bde (Google books; Bd. 6 fehlt).

Johann Georg Büsch: An das Publikum betr. die Handlungsakademie in Hamburg. Hamburg 1771 (Digitalisierte Bestände der Universitätsbibliothek Kiel, Javascript).

Johann Georg Büsch: Theoretisch-praktische Darstellung der Handlung in deren mannigfaltigen Geschäften. Hamburg 1792. Band 1, Band 2 (Digitale Bibliothek des Max-Planck-Instituts für europäische Rechtsgeschichte).

Johann Georg Büsch: Versuch einer Geschichte der Hamburgischen Handlung, nebst zwei kleineren Schriften eines verwandten Inhalts. Hamburg: Hoffmann 1797 (Digitale Texte der Bibliothek des Seminars für Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Uni Köln). — Über Google books / Univ. of Michigan.

Johann Georg Büsch: Über das Bestreben der Völker neuerer Zeit einander in ihrem Seehandel recht wehe zu thun. Vermehrte und ganz umgearbeitete Auflage der Abhandlung: von der Zerrüttung des Seehandels, Hamburg: Hoffmann 1800, XVI, 600 S. (Digitale Texte der Bibliothek des Seminars für Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Uni Köln).

Gustav von Gülich

Goethes Tagebuch, 16. und 17. 6. 1830: Fing nachher an Gustav von Gülich geschichtliche Darstellung des Handels [...] Ich rühmte [Meyer gegenüber] Gustav von Gülich, Geschichte des Handels pp., theilte daraus manches mit. In Goethes Bibliothek waren die beiden 1830 erschienenen Bände 1 und 2 vorhanden. Vgl. Ruppert, Nr. 2939.

Bei Gustav von Gülich fand Goethe 1830 die Forderung nach einer Beschränkung der Maschinenanwendung auf die Fälle, wo durch sie menschliche Arbeitskraft unterstützt werde. Unterbinden müsse der Staat jenen Maschineneinsatz, der menschliche Kräfte lähme und durch verminderte Beschäftigung den Arbeitserwerb schmälere.1

Gustav von Gülich: Geschichtliche Darstellung des Handels, der Gewerbe und des Ackerbaus der bedeutenden handeltreibenden Staaten unserer Zeit, Band 1-5. Jena: Frommann 1830-1845 — Tabellarische Übersichten dazu (Digitale Texte der Bibliothek des Seminars für Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Uni Köln).

John Law

John Law schlug 1705 dem schottischen Parlament die Einführung von Papiergeld vor, hatte damit aber keinen Erfolg. 1716 erhielt er von dem französischen Regenten, dem Herzog von Orléans, zunächst die Erlaubnis zur Gründung einer Privatbank und, nach anfänglichen Erfolgen, einer Staatsbank, die u. a. in die Kolonisation am Mississippi investierte (Gründung von New Orleans). Die darauf folgende Spekulationswelle brach 1720 zusammen, Law floh aus Frankreich. — Die Papiergeldschöpfung in Faust II/1 wird auf die Ereignisse um John Law bezogen, in Frage kommen dafür aber auch der Verfall der französischen Assignaten 1790-1797 und der der österreichischen Papierwährung um 1811.

Texte von John Law (McMaster University, Kanada).

James Steuart (s. u.) behandelt die casa Law in Buch IV, Teil 2, Kap 23 folgende, Adam Smith in Buch II, Kap. II.

S. Alexi: John Law und sein System. Ein Beitrag zur Finanz- und Münzgeschichte. Berlin: Lehmann 1885 (Digitale Texte der Bibliothek des Seminars für Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Uni Köln).

Adam Müller

Müller hielt in Dresden von 1806 bis zur Ausweisung 1809 Vorlesungen zu politischen Themen als Hauslehrer des sachsen-weimarischen Prinzen Bernhard. Goethe lernte ihn persönlich erst 1819 kennen.

Goethes Tagebuch, 25. April 1806: Faust letztes Arrangement zum Druck. Bey der Hoheit. Brief von Gen[t]z mit Adam Müllers Vorlesungen [über die deutsche Wissenschaft und Literatur]. Dr. Oelenschläger. Packet von Fichte. v. Knebel. Cotta. Müllers Vorlesungen mit R[iemer]. — 3. August 1807 (Karlsbad): Morgens war ich lange bey Gentz gewesen und hatte mit ihm erst einen politischen dann ästhetischen Discours geführt. Viel über Adam Müller und dessen Art zu denken und zu arbeiten.

Goethe war offensichtlich sehr angetan und betrachtete Müller mehr oder weniger als Nachfolger. Am 28. August schrieb er ihm u. a.: Der Schauspieler fühlt nicht lebhafter, daß er eines wohlwollenden Zuschauers bedarf, als wenn er eben abtreten will, der Dichter, wenn das Stück zu Ende geht; und so will ich gern bekennen, daß es mich sehr freut, an Ihnen einen wohlwollend Theilnehmenden zu wissen und zu hinterlassen. Die Welt thut ihr Möglichstes, uns gegen Lob und Tadel gleichgültig zu machen; aber es gelingt ihr denn doch nicht, und wir kehren, wenn wir günstige und zugleich im Ganzen mit unsern Überzeugungen zusammentreffende Urtheile vernehmen, immer gar zu gern aus unserer Resignation zum Genuß zurück.

Im Rückblick heißt es in den Tag- und Jahresheften zu 1806 dann allerdings: Adam Müllers Vorlesungen kamen mir in die Hände. Ich las, ja studierte sie, jedoch mit geteilter Empfindung: denn wenn man wirklich darin einen vorzüglichen Geist erblickte, so ward man auch mancher unsichern Schritte gewahr, welche nach und nach folgerecht das beste Naturell auf falsche Wege führen mußten. (MA Bd. 14, S. 174)

Nicht zuletzt wird für diesen Sinneswandel Müllers (zuerst verheimlichte) Konversion zum Katholizismus und das ausgestellte Christentum überhaupt verantwortlich gewesen sein. Umgekehrt mokierte sich Gentz in einem Brief an Müller über Goethes Gottlosigkeit. (Brief v. 13. 7. 1805) Und in den von Goethe geschätzten Vorlesungen hatte es geheißen: Novalis ahndete, ohne ihn deutlich auszudrücken, den einzigen Vorwurf, der gegen Goethe erhoben werden kann: Die Allgegenwart des Christentums in der Geschichte und in allen Formen der Poesie und Philosophie ist selbst Goethen verborgen geblieben.2

In Goethes Bibliothek finden sich: Die Lehre vom Gegensatze. Buch 1: Der Gegensatz (mehr nicht erschienen). Berlin: Realschulbuchhandlung 1804; Vorlesungen über die deutsche Wissenschaft und Literatur, geh. zu Dresden, im Winter 1806. Dresden: C. G. Gärtner 1806 und Zum Gedächtniß der verewigten Königin von Preußen. Berlin: J. D. Sander 1810. Vgl. Ruppert, Nr. 3102, 537 und 169.

Die wichtigsten politisch-ökonomischen Schriften Müllers:

Adam Müller: Ein Auszug aus der Theorie des Geldes, der sein Denken in Gegensätzen verdeutlicht.

Adam Müller an Friedrich Gentz über seine Schriften, ihre Rezeption und ihr Verhältnis zu Goethes Farbenlehre, 10. 7. 1810 (Institut für Textkritik).

Georg Septimus Andreas von Praun

In Goethes Bibliothek nach Ruppert, Nr. 2501 vorhanden: Georg Septimus Severus von Praun: Vollstaendiges Braunschweig- Lüneburgisches Münz- und Medaillen-Cabinet oder umstaendliche Beschreibung aller goldenen und silbernen Münzen, welche das durchl. Haus Braunschweig-Lüneburg seit zweyhundert Jahren auspraegen lassen... Helmstedt: J. Drimborn 1747. Anschaffung 1785.

Georg Septimus Andreas von Praun: Gründliche Nachricht von dem Münzwesen insgemein, insbesondere aber von dem Teutschen Münzwesen älterer und neuerer Zeiten. Wie auch von dem Französischen, Spanischen, Niederländischen, Englischen und Dänischen Münzwesen, welche in den Jahren 1739 und 1741 in zwey Auflagen herausgekommen ist. 3., hin und wieder verb. und verm. Aufl. Leipzig: Weygand 1784 (Digitale Texte der Bibliothek des Seminars für Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Uni Köln).

Adam Smith

Goethe bedankt sich in einem Brief vom 26. 12. 1806 bei Georg Sartorius für die interessanten Bücher, die Sie mir überschickten. Darunter war: Von den Elementen des National-Reichthums und von der Staatswirthschaft nach Adam Smith. Zum Gebrauch bey academischen Vorlesungen und beym Privat-Studio ausgearbeitet von Georg Sartorius. Göttingen: J. F. Röwer 1806 (Ruppert, Nr. 2966). Im Brief an Sartorius heißt es recht kritisch weiter: Sie [die Bücher] belehren uns über die Elemente des Nationalreichthums, und wahrhaftig wir sind bald wieder bey den Elementen, beym ABC, und es ist also recht gut, daß man uns an die Quellen hinweist, da unsre schönen breiten Teiche und Seen abgeleitet und ausgetrocknet werden. — Schon 1796 war Sartorius' Handbuch der Staatswirthschaft ... nach Adam Smith's Grundsätzen erschienen.

Das Buch von Smith war zuerst in drei Bänden 1776, 1778 und 1792 von Johann Friedrich Schiller, wahrscheinlich ein entfernter Onkel Friedrich Schillers, ins Deutsche übersetzt worden. Breitere Wirkung entfaltete aber die Übersetzung der 4. Auflage des Originals durch Christian Garve unter dem Titel: Untersuchung über die Natur und die Ursachen des Nationalreichthums. Vier Bände, Breslau: Korn 1794-96. Die Zweyte verbesserte Ausgabe erschien in drei Bänden 1799.

Adam Smith: The Theory of Moral Sentiments, 1759 (Marxists Internet Archive).

Adam Smith: An Inquiry into the Nature and Causes of The Wealth of Nations, 1776 (Marxists Internet Archive).

Adam Smith: Untersuchung über die Natur und die Ursachen des Nationalreichthums. Übers. v. Christian Garve. 3., mit Stewarts Nachricht von dem Leben und den Schriften des Autors vermehrte unveränderte Ausg. Breslau, Leipzig: Korn 1810. 3 Bde. (Google books).

Isaak Iselin: [Rezension zu:] Adam Smith: Untersuchung der Natur und Ursachen von Nationalreichthümern. Bd.1. In: Allgemeine Deutsche Bibliothek, Bd. 31/1 (1777), S. 586-589 — zu Bd. 2. In: Allgemeine Deutsche Bibliothek, Bd. 38/1 (1779), S. 297-303.

J. E. Gruner: Adam Smith und Christian Garve. In: Berlinische Monatschrift Bd. 6/2 (1801), S. 38-61.

H. F. C. Claussen: Litterairische Nachrichten von Adam Smith. In: Deutsches Magazin 9 (1795), S. 650-655 (Übersetzung aus dem frz. Journal Encyclopedique, Mars 1793).

James Steuart

Goethe an seine Mutter, 16. Nov. 1777: Schlosser soll mir das Buch Stuarts Finanz System von Lenzen, auch seine [Schlossers] Schrifft über die Gesezgebung schicken. Der Vater kann ihm Poetas Graecos minores schicken sie stehen noch zu Hause in folio denck ich. Ob Goethe das Werk dann auch erhalten und gelesen hat, ist zweifelhaft. — Die deutsche Übersetzung erschien 1769-1772: Stewart, Sir James: Untersuchung der Grund-Sätze Der Staats-Wirthschaft als ein Versuch über die Wissenschaft von der Innerlichen Politik bey freyen Nationen. Aus dem Englischen übersezt. Tübingen: Cotta 1769-1772 (Übers.: Joh. Gottl. Leyser; 5 Bände). — Auch Büsch bezieht sich häufiger auf Steuart.

Sir James Steuart: An Inquiry into the Principles of Political Economy, 1767 (Marxists Internet Archive).

J. C. E. Springer: Rezension zur deutschen Erstausgabe, Buch 1, in: Allgemeine Deutsche Bibliothek, Bd. 13/1 (1770), S. 113-152 sowie zu Buch 2-5, in: Allgemeine Deutsche Bibliothek, 24/2 (1775), S. 545-555.

Weitere Texte

Johann Heinrich Gottlob von Justi: Vollstaendige Abhandlung von den Manufakturen und Fabriken. Koppenhagen : Rothen 1758-61 (Uni Bielefeld).

Thorsten Hapke: Denkwege — Reflexion und Wirklichkeit des Ökonomischen (vom Merkantilismus bis zu Keynes).

Klassische Texte zur politischen Ökonomie und zur Vorgeschichte des Marxismus (Marxists Internet Archive).

Archive for the History of Economic Thought (McMaster University, Kanada).

Anmerkungen

1 Gustav Körner, Michael Sielaff: Goethe und die Volkswirtschaftslehre. In: Goethe-Jahrbuch 119 (2002), S. 165-181, hier S. 170.

2 Adam Müller: Kritische, ästhetische und philosophische Schriften I. Kritische Ausg. hrsg. v. W. Schroeder und W. Siebert. Neuwied, Berlin: Luchterhand 1967, S. 56 f.

<http://www.kisc.meiji.ac.jp/~mmandel/recherche/goethe_oekonomie.html>
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